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  • AutorenbildRadiance Talley

Körper versus Geist – wie wird Glück zum Dauergast?


Wo und wie verspürst du Glück? Bist du körperlich glücklich oder geistig – oder sogar beides?


Geistiges und körperliches Glück

Wenn sich ... materielles Glück und geistige Seligkeit verbinden, ergibt sich »Entzücken über Entzücken«, wie die Araber sagen.“ (*1) Aber worin besteht der Unterschied? Und wie können wir sowohl körperlich als auch geistig glücklich sein?


Körperliches Glück


Die Baha'i-Lehren besagen:


Es gibt zwei Arten von Glück: physisches und geistiges. Das physische Glück ist begrenzt; es dauert höchstens einen Tag, einen Monat, ein Jahr.

Das flüchtige Gefühl körperlichen Glücks wird uns von Hormonen beschert: Dopamin, Endorphin, Oxytocin, Serotonin etc. Dopamin wird beispielsweise ausgeschüttet, wenn wir zum ersten Mal etwas besonders Köstliches probieren. Eine neue, sehr anstrengende, aber befriedigende Trainingsmethode löst Endorphinausschüttungen aus. Oxytocin durchströmt uns, wenn wir einen geliebten Menschen umarmen und Serotonin nach einer großen Beförderung. (Literaturempfehlung dazu: Dr. Loretta Graziano Breunig, „Habits of a Happy Brain“.)


Aber solche neurochemisch erzeugten Glücksgefühle gehen vorüber. Der neunte Bissen der gleichen schmackhaften Speise wird nicht mehr so besonders köstlich schmecken wie der erste. Nach einer Woche wird dieselbe Trainingsmethode sich nicht mehr ganz so befriedigend anfühlen wie beim ersten Mal. Der einst nahestehende Mensch kann Dein Vertrauen am nächsten Tag missbrauchen. Die Begeisterung über die Beförderung wird bald abebben und Du ertappst Dich dabei, dem nächsten Karrieresprung entgegenzufiebern.


Bei allen Säugetieren treten diese neurochemischen Wirkungen auf. Unser limbisches System produziert diese Hormone zur Steuerung unseres Körpers. Der Zweck ist, unsere Überlebens- und Fortpflanzungschancen zu steigern.


Geistiges Glück


Die Baha'i-Religion lehrt, dass wir Menschen zwar Körper haben, aber nicht Köper sind. Im Kern unseres Seins sind wir Geist:


Der Mensch ist seiner Wirklichkeit nach ein geistiges Wesen, und nur wenn er im Geiste lebt, ist er tatsächlich glücklich. Dieses geistige Verlangen und Empfinden besitzen alle Menschen gleicherweise ...
Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris

... der menschliche Geist kann auf zweierlei Art wirken und verstehen. Eine Art nutzt die Mittel und Organe des Körpers. So sieht er mit dem Auge, hört mit dem Ohr und spricht mit der Zunge. Dies sind Wirkungen des Geistes und Vorgänge in der menschlichen Wirklichkeit, aber sie erfolgen durch körperliche Mittel. So ist es der Geist, der sieht, aber mit Hilfe des Auges; es ist der Geist, der hört, aber durch das Ohr; es ist der Geist, der spricht, aber mittels der Zunge.
Die andere Art, wie der Geist wirkt und Einfluss übt, erfolgt ohne diese körperlichen Mittel und Organe. Zum Beispiel sieht er im Schlaf ohne Augen, hört ohne Ohren, spricht ohne Zunge, läuft ohne Füße – kurz gesagt, alle diese Kräfte wirken ohne körperliche Mittel und Organe. ...
Anzunehmen, dass der Geist beim Tod des Körpers zugrunde ginge, ist wie die Vorstellung, dass ein in einem Käfig eingesperrter Vogel umkäme, wenn der Käfig zerbräche, obwohl der Vogel vom Zerbrechen des Käfigs nichts zu befürchten hat. Dieser Körper ist dem Käfig und der Geist dem Vogel vergleichbar. ...
Der Körper des Menschen kann schwach oder stark, krank oder gesund, müde oder ausgeruht sein; er kann eine Hand oder ein Bein verlieren; seine körperlichen Kräfte können nachlassen; er kann blind, taub, stumm oder bewegungsunfähig werden – kurz gesagt, er kann schwer beeinträchtigt sein. Trotzdem behält der Geist seinen ursprünglichen Zustand und seine geistigen Wahrnehmungen bei und erleidet keine Beeinträchtigung oder Störung.
Abdu'l-Baha, Beantwortete Fragen

Unser wahres Glück ist davon abhängig, wie wir mit unserer Geistigkeit umgehen.


Denke über das Wesen materiellen Glücks nach. Es erleichtert unsere Last nur wenig, und doch bilden sich die Menschen ein, es sei Freude, Wonne, Jubel und Segen. Alle materiellen Segnungen, einschließlich Essen, Trinken und dergleichen, dienen nur dazu, Durst, Hunger und Müdigkeit zu beheben. Sie beglücken nicht das Herz, erfreuen nicht die Seele, sondern befriedigen nur die leiblichen Bedürfnisse. Diese Art des Glücks besteht nicht wirklich.
Geistiges Glück dagegen ist die wahre Grundlage des Menschenlebens, denn das Leben ist zum Glücklichsein erschaffen, nicht zum Trauern, zur Freude, nicht zum Gram. Glück ist Leben, Gram ist Tod. Geistiges Glück ist ewiges Leben. Auf dieses Licht folgt keine Finsternis ...

Wenn wir Gott erkennen und lieben und die Tugenden erlernen, die wir in der nächsten Welt brauchen, werden wir unser Glück finden. Ewiges geistiges Glück erscheint, wenn unsere Herzen von der Liebe Gottes erleuchtet werden.


Die dem Menschen bestimmte Ehre ist es, die höchsten Tugenden der menschlichen Welt zu erreichen. Das ist sein wahres Glück und seine Glückseligkeit.

Liebe sichert als einziges Mittel echtes Glück in dieser und der zukünftigen Welt. Liebe ist das Licht, das durchs Dunkel führt, das lebendige Bindeglied, das Gott mit dem Menschen vereint und den Fortschritt jeder erleuchteten Seele verbürgt.

Körperliches und geistiges Glück


Materieller Fortschritt führt zu körperlichem Glück und geistiger Fortschritt führt zu spirituellem Glück. Obwohl es wichtig ist, unsere körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen und nach materiellem Wohlbefinden zu streben, ist es wesentlich, göttliche Gaben und geistige Empfänglichkeit zu erlangen.


Materieller Fortschritt gewährleistet das Glück der Menschenwelt. Geistiger Fortschritt gewährleistet das Glück und den ewigen Bestand der Seele.

Glück für die Menschheit


Dauerhaftes Glück, das über flüchtige Genussmomente hinaus anhält, stellt sich dann ein, wenn die beiden Seiten menschlichen Daseins – äußerer Körper und innerer Geist – miteinander in Einklang kommen. Dann bleibt das Glück unser Dauergast, sowohl im persönlichen Leben als auch in dem der ganzen Gesellschaft:


Wie weit sich die materielle Welt auch entwickelt, sie kann das Glück der Menschheit nicht sicherstellen. Nur wenn die materielle und geistige Zivilisation miteinander verbunden und in Einklang gebracht sind, wird das Glück gesichert sein.


(*1) Abdu'l-Baha in Promulgation of Universal Peace (deutsche Übersetzung)

 

Radiance Talley hat an der University of Maryland/USA studiert und einen Abschluss in Kommunikation und Journalismus erworben. Darüber hinaus hat sie sich mit Lyrik, Anthropologie, Soziologie und transkultureller Psychologie befasst. Abgesehen von ihrer amerikanisch-englischen Muttersprache spricht sie Spanisch und nach ihren Studienaufenthalten in Paris und Berlin etwas Französisch und Deutsch. In ihrer Freizeit führt sie gemeinsam mit ihrer Mutter Workshops zum Thema „Racial Healing“ durch und schreibt Gedichte.


Dieser Artikel erschien im Original auf bahaiteachings.org und wurde von der Redaktion leicht editiert.


Photo by KAL VISUALS on Unsplash

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