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Leben nach dem Tod? Eine oft verdrängte Frage.

  • Autorenbild: Michael Merkel
    Michael Merkel
  • vor 4 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Warum es vernünftig ist, über ein mögliches Leben nach dem Tod nachzudenken


Mit Sommerausrüstung in der Arktis

Die Verdrängungsfalle

Während der Trauerrede auf der Beerdigung eines Nachbarn schwirren mir verschiedene Gedanken durch den Kopf. Fest steht, dass wir alle eines Tages das Zeitliche segnen werden. Doch was kommt danach? Ist der Tod das endgültige Aus oder nur ein Zwischenstopp? Mir scheint, dass viele Menschen die Beschäftigung mit der Frage nach dem Tod als unangenehm empfinden und daher eine Verdrängungsstrategie verfolgen: Sie verdrängen die Ungewissheit, indem sie versuchen, das Thema Tod bestmöglich aus dem Alltag zu verbannen.


Der Tod ist ein natürlicher und allgegenwärtiger Teil des Lebens. Daher werden wir auch immer wieder an ihn erinnert – sei es durch Katastrophenmeldungen in den Medien, den Tod anderer Menschen oder eigene gesundheitliche Krisen. Daher stellt sich die Frage: Ist eine Verdrängungsstrategie auf Dauer wirklich sinnvoll?

 

Mit der Badehose in die Arktis?

Ob unser Leben mit dem irdischen Tod endet, gehört zu den grundlegendsten und wichtigsten Lebensfragen. Sollte es nämlich auf unserer Lebensreise nach dem Tod noch weitergehen, stellt sich unweigerlich die Frage, ob wir auf diese Situation angemessen vorbereitet sind und die richtige Ausrüstung im Gepäck haben. Das ist vorstellbar wie bei einer Urlaubsreise: Geht es Richtung Süden, ist man mit Sommerklamotten im Koffer sicher gut beraten. Sollte die Reise jedoch in der Arktis enden, würden wir bei Verlassen des geheizten Flugzeugs eine unangenehme Überraschung erleben.


Haben wir daher nicht allen Grund uns nach bestem Wissen und Gewissen mit der Frage nach dem Tod und einem „Danach“ zu beschäftigen, um eine befriedigende Antwort zu finden?


Hinterm Horizont geht's weiter

Geht es nach den Religionen dieser Welt, so besteht kein Zweifel, dass unser Leben auch nach dem Tod noch weitergeht. So lesen wir in den Schriften des Baha'i-Glaubens:


In den himmlischen Büchern wird die Unsterblichkeit des Geistes erwähnt, die wahre Grundlage göttlicher Religionen.
Abdu'l-Baha, Beantwortete Fragen

Der Glaube an eine unsterbliche Identität im Menschen ist in der Tat ein zentrales Merkmal aller großen Religionen. Anbei eine kurze Auswahl an Zitaten:


Die Seele löst sich vom irdischen Körper, um einen neuen und schöneren Körper anzulegen. Der weise Mensch wird unsterblich… Der gute und gerechte Mensch wird immer leben.“ (Hinduismus)


Staub kehrt zu Staub zurück und die Seele des Menschen wird sich zu ihrem ewigen Heim begeben. Der Herr entlohnt den Guten mit Unsterblichkeit und des Menschen Seele wird auf ewig bei ihrem Schöpfer sein.“ (Judentum)


Der Gute und Weise wird Glück im Jenseits finden. Böse und Gedankenlose werden auf ewig sterben. Der Himmel ist ein Ort der Glückseligkeit für die Guten.“ (Buddhismus)


Was immer ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden hingehen, diese in ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ (Christentum)


Der gute Mensch, der im Dienste Gottes gestorben, wird mit ewigem Leben belohnt. Gott wird seine getreuen Anhänger nach ihrem Tod um sich versammeln. (Islam)


Zitiert in: O.P. Ghai, Einheit in der Vielfalt, Horizonte Verlag, Rosenheim, 1987, S.104ff

Und in den Schriften der bislang jüngsten Weltreligion, dem Baha'i-Glauben, lesen wir:


Wie der Begriff des Glaubens seit dem Anfang, der keinen Anfang hat, bestand und bis zum Ende, das kein Ende hat, dauern wird, so wird der wahre Gläubige gleichfalls ewig leben und bestehen. Sein Geist wird ewiglich den Willen Gottes umkreisen. Er wird so lange bestehen, wie Gott selbst bestehen wird.
Baha'u'llah, Ährenlese

Geistigkeit und Identität

Ebenfalls einig sind sich die großen Religionen, dass unsere unsterbliche Identität – die Seele – kein materielles Phänomen darstellt. Das Leben nach dem Tod ist rein geistiger Natur. So lesen wir exemplarisch in einer Passage der Baha'i-Schriften:


Der Geist ist unveränderlich, unzerstörbar. Der Fortschritt und die Entfaltung der Seele, ihre Freude und Sorge sind vom physischen Körper unabhängig.
Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris

Und an anderer Stelle:


Die Seele ist keine Verbindung von Elementen. Sie ist nicht aus vielen Atomen zusammengesetzt. Sie besteht aus etwas Unteilbarem und ist daher ewig. Sie steht gänzlich außerhalb des Ordnungsbereichs der physischen Schöpfung.
Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris

Gemäß der eigenen Natur authentisch und nicht entfremdet zu leben, gilt für uns Menschen als einer der stärksten Faktoren für eine tief empfundene Lebenszufriedenheit. Der Baha'i-Glaube ermutigt uns, dass wir neben der Befriedigung unserer materiellen Bedürfnisse vor allem der Entwicklung und Vervollkommnung unserer geistigen Fähigkeiten die nötige Aufmerksamkeit schenken sollten:


Der Mensch ist seiner Wirklichkeit nach ein geistiges Wesen, und nur wenn er im Geiste lebt, ist er tatsächlich glücklich.
Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris

Die Aussicht des Jenseits als Richtschnur für unser Leben im Diesseits

Zentrale Werkzeuge für ein geistiges Leben finden wir in den Lehren der großen Religionsstifter. Den jeweiligen historischen Umständen entsprechend weisen sie die Menschen immer darauf hin, sich ihrer wahren Natur bewusst zu werden und sich in der Folge zu bemühen, ihre geistigen Potenziale zu entfalten. Inwieweit wir diesem Aufruf in unserem Leben erfolgreich gefolgt sind, werden wir spätestens zum Zeitpunkt unseres Todes – wenn alle materiellen Schleier fallen – erfahren:


Es ist klar und einleuchtend, daß alle Menschen nach ihrem leiblichen Tode den Wert ihrer Taten abschätzen und alles erkennen werden, was ihre Hände bewirkt haben, Ich schwöre bei der Sonne, die über dem Horizonte göttlicher Macht strahlt! Wer dem einen, wahren Gott folgt, wird, wenn er aus diesem Leben scheidet, unbeschreibliche Freude und Fröhlichkeit empfinden…
Baha'u'llah, Ährenlese

Ist diese großartige Aussicht nicht ein Ansporn, sich darum zu bemühen, aus dem eigenen irdischen Leben etwas zu machen? Hilfreich dafür ist auch der folgende Ratschlag aus den Baha'i-Schriften:


Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben! Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach.

Unsterblichkeit unserer Seele – Wunschvorstellung oder Realität?

Dass es nach dem leiblichen Tod weitergeht und uns dort – sofern wir unseren Teil dazu beigetragen haben – sogar ein Leben in unbeschreiblicher Freude erwarten kann, ist eine großartige Nachricht. Doch entspricht dies der Realität? Atheisten sehen dies zumeist ganz anders und behaupten nicht selten, dass uns die Religion hier etwas vormacht – sei es zum Schutz vor dem erschreckenden Gedanken unserer Vergänglichkeit oder um uns durch die Aussicht eines Paradieses“ zu einem redlichen Leben zu motivieren.


Auch im Baha'i-Glauben werden wir dazu ermutigt, nicht blind“ an etwas zu glauben, aus Angst oder Kalkül. Wir sollten uns vielmehr bei der Suche nach Wahrheit von Religion und Wissenschaft gleichermaßen leiten lassen:


Denn es ist völlig klar, dass Wissenschaft Licht ist, und daher steht Religion, die zu Recht so genannt wird, nicht in Widerspruch zur Wissenschaft.
Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris

Dies bedeutet, dass wir das Thema Tod noch tiefgehender betrachten müssen, was an dieser Stelle jedoch zu weit führt.


Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die sogenannte „Pascal‘sche Wette“, weshalb diese zum Abschluss noch kurz vorgestellt wird.


Die Pascal‘sche Wette – eine Risikoabwägung

Der französische Mathematiker Blaise Pascal (1623-1662) war ein Agnostiker (von a-gnoein“ = nicht wissen) und ging davon aus, dass die Frage nach der Existenz Gottes und dem damit verknüpften himmlischen Paradies nicht zweifelsfrei beantwortet werden könne. Daher dachte er darüber nach, wie man mit dieser Ungewissheit umgehen sollte. Das Ergebnis seiner Überlegungen ist als „Pascal‘sche Wette“ bekannt.


Pascal kam zu dem Schluss, dass jeder Mensch allein aus Vernunftgründen mit dem ganzen Einsatz seines Lebens auf die Existenz Gottes und das Paradies „wetten“ sollte. Seine Begründung lautete etwa wie folgt:


Für den Fall, dass Gott/Paradies wirklich existieren, wäre der Gewinn für diejenigen, die darauf wetten und infolgedessen eine gottgefällige Lebensführung wählen, unvorstellbar groß. Sollten sie mit ihrer Wette hingegen falsch liegen, wäre der Verlust vergleichsweise gering. Würde man hingegen umgekehrt darauf wetten, dass Gott/Paradies nicht existieren, wäre, selbst wenn man damit Recht hätte, der Gewinn nicht nennenswert. Sollte sich die Wettenden jedoch getäuscht haben, weil Gott/Paradies entgegen ihrer Annahme doch existieren, so wäre der Verlust des versprochenen Paradieses gewaltig und käme einer unbeschreiblichen, persönlichen Katastrophe gleich. Nach Pascal führt daher die logische Abwägung von möglichem Nutzen und Verlust zu der verblüffend eindeutigen Aufforderung, trotz aller Unsicherheit so zu leben, als ob Gott und das himmlische Paradies zweifelsfrei existieren würden.


Fazit

Die Frage, ob es ein Jenseits nach unserem irdischen Tod gibt, ist zu wichtig und weitreichend, als dass man sie auf Dauer verdrängen dürfte. Die Lehren der großen Religionen weisen zu diesem Thema alle in eine Richtung: Demnach geht es nach dem Tod in einer immateriellen und geistigen Welt weiter, in der wir die Früchte unserer irdischen Bemühungen ernten werden. Selbst der Agnostiker Pascal kam aus rein rationalen Erwägungen in seiner bekannten Wette“ zu dem praktischen Schluss, dass wir – bei aller Ungewissheit – so leben sollten, als gebe es ohne Zweifel ein himmlisches Paradies.


Die spannende Frage ist nun, ob sich die Unsicherheit in Bezug auf die Existenz eines Jenseits weiter reduzieren lässt. Gibt es neben den Versicherungen der großen Religionen, weitere Hinweise, welche die Existenz eines Lebens nach dem Tode nahelegen und womöglich einen tieferen Einblick in das Mysterium der menschlichen Seele bieten?



Michael Merkel, Jahrgang 1969, studierte Physik in München und arbeitet seit über 20 Jahren in einem großen Versicherungskonzern. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder sowie drei Enkelkinder. Verschiedene Erkenntnisse zum Themenkomplex Wissenschaft und Glaube hat er in seinem Buch zusammengefasst: Eckpfeiler einer reifen Weltsicht – eine Einführung in das Prinzip der Einheit von Wissenschaft und Glauben, Verlag tredition, Hamburg, 2. Auflage 2024.


Photo generiert von GenAI

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