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Brauchen wir heute noch einen Weltreligionstag?

  • Autorenbild: Redaktion
    Redaktion
  • 17. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

In Deutschland fand er erstmals vor 75 Jahren statt.


Der Weltreligionstag wird mit Unterstützung deutscher Baha'i-Gemeinden seit 1951 begangen. In der Nachkriegszeit gab es gute Gründe dafür. Brauchen wir ihn in der stark veränderten Welt von heute immer noch?


Weltreligionstag 2026

Die ursprüngliche Idee dazu kam von den Baha'i der Vereinigten Staaten mit der Absicht, dass möglichst viele Gemeinden dort ihn landesweit regelmäßig am dritten Sonntag im Janu ar abhalten würden. Die ersten Feiern dazu fanden dort am 15. Januar 1950 statt.


Bereits 1951 wurde er am Sonntag, den 21. Januar von einigen deutschen Baha'i-Gemeinden aufgegriffen. Am bekanntesten ist die Feier hierzu in Stuttgart. In dem damaligen Baha'i-Journal „Sonne der Wahrheit“ werden für 1951 weiterhin Feiern aus Berlin (West), Heidelberg, Karlsruhe, Wiesbaden, und Esslingen berichtet (Michael Sturm-Berger, Berliner Baha'i Geschichte). In dem Journal wird auch erwähnt, die gesammelten Berichte „kündeten von der Begeisterung und dem tiefen Erlebnis der Teilnehmer an den Feiern. Dabei war interessant festzustellen, wie in allen vorliegenden Berichten das Gemeinsame der Arbeit für den Frieden, die Wandlung und Vervollkommnung des Menschen, die Gemeinsamkeit des Glaubens an einen Gott und die sich daraus ergebende Verpflichtung aller betont wurde.“


In den 60er Jahren wurde vielerorts pausiert. In München fand im Januar 1971 in der großen Aula der Ludwigs-Maximilian-Universität München eine größere Dialog-Veranstaltung mit bekannten Religionsvertretern statt. In den 2000er Jahren wurde der Weltreligionstag wiederbelebt. So lud im Januar 2007 die Stuttgarter Baha‘i-Gemeinde mit dem Thema „Gebete der Weltreligionen“ hierzu ein, wobei die Landeshauptstadt die Schirmherrschaft übernahm (EZW Materialdienst, 6/2008).

Am Haus der Andacht für Europa in Hofheim-Langenhain wurde er 2025 wieder aufgegriffen, so auch für 2026 am Sonntag, 18. Januar als interreligiöse Gebetsveranstaltung.


Einige weltweite Beispiele verdienen nicht weniger Beachtung: Die regionale Baha'i-Gemeinde in Halifax (Nova Scotia) in Kanada feierte im Jahr 2009 ihren sechsten jährlichen Weltreligionstag in der Cathedral of All Saints. Aus diesem Anlass veröffentlichten der Bürgermeister und die Stadträte der Regionalgemeinde Halifax eine offizielle Proklamation. Aus Afrika wird berichtet: 2007 unterzeichneten religiöse Führungspersönlichkeiten bei einer Weltreligionstags-Veranstaltung des Stadtrates von Entebbe in Uganda (am Nordufer des Viktoriasees gelegen) eine gemeinsame Erklärung zur Gründung der „Entebbe Inter-Faith Coalition“. Die Unterzeichnenden verpflichteten sich darin, „… die vereinigende Kraft der Religion zu nutzen, um in den Herzen und Gedanken aller Gläubigen die grundlegenden Wahrheiten und geistigen Maßstäbe zu verankern, die unser Schöpfer festgelegt hat, um sie als Mitglieder einer Familie zusammenzuführen“. Da der Baha'i-Glaube die Einheit der Menschheit und ihrer Nationen und Religionen – in ihrer Vielfalt – betont, erschien der Tag als natürlicher Ausdruck und Erweiterung dieses Gedankens.


Weltweit breitet sich der Weltreligionstag in vielen Ländern langsam aber stetig aus, auch mit unterschiedlichen Formaten. Am 20. Januar 2007 wurde die Republik Kongo nach Sri Lanka (1985) das zweite Land, das eine Briefmarke zum Weltreligionstag herausgab.



Die kongolesische Marke zeigt eine Erdkugel, umgeben von den Symbolen von elf Religionen, und trägt die französische Aufschrift (übersetzt): „Gott ist die Quelle aller Religionen“. Im Anschluss an ein Weltreligionstags-Programm mit mehr als 250 Teilnehmenden aus acht Religionsgemeinschaften wurden die Marken und Ersttagsbriefe vor Ort verkauft. 


Der Zweck des Weltreligionstags besteht heute darin, die grundlegende Harmonie der Religionen der Welt sichtbar zu machen, die oft durch historisch entstandene Konflikte überdeckt wird. Er sollte ihre Verbundenheit durch interreligiöse Begegnung fördern und die Idee und das Ideal einer weltweiten Einigkeit im Zusammenleben stärken, zu der die Religionen einen wesentlichen Beitrag leisten können.


Während Veranstaltungen zum Weltreligionstag weltweit nach wie vor von lokalen Mitgliedern der Baha'i-Gemeinde unterstützt oder mitgetragen werden, wird eine wachsende Zahl dieser Veranstaltungen inzwischen unabhängig von interreligiösen oder multireligiösen Zusammenschlüssen organisiert. So wurde beispielsweise die Feier des Weltreligionstags in Tralee (Irland) von einer Mitgliedsorganisation von Pax Christi International in Irland organisiert. Als inspirierende Idee mit großer Anziehungskraft hat sich der Weltreligionstag dadurch inzwischen vielerorts selbst verstetigt – dank der Initiativen engagierter Einzelpersonen und Institutionen, die eine Vision von religiöser Einigkeit und geschwisterlicher Verbundenheit teilen.


Unser Fazit: In einer Welt wachsender Entfremdungen und Gräben wird der Weltreligionstag heute im Jahr 2026 – zu seinem 75. Geburtstag in Deutschland – mehr denn je benötigt, und nicht weniger in den meisten Gegenden unserer Erde. Seine Bedeutung dürfte in der nahen Zukunft wachsen.



Dieser Beitrag entstand auf Grundlage eines Artikels auf bahaitechaings.org von Christopher Buck, der dankenswerterweise zu diesem Thema weltweite Informationen zusammengetragen hat.


Foto generiert von GenAI

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