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Wo finde ich Zuversicht in dieser stürmischen Welt?

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    Redaktion
  • vor 1 Tag
  • 5 Min. Lesezeit

Über Sorgen, Mitgefühl und eine andere Weltsicht


Ein Beitrag auf Grundlage eines Artikels von Patricia O'Connor (s.u.).


Unsere Welt ist aus dem Gleichgewicht geraten. Es sind beängstigende Zeiten, und das Leben ist nicht einfach. Wo können wir inmitten des unbarmherzigen Ansturms von Katastrophen und Verhängnissen Sicherheit und Zuflucht finden?


Gleichgewicht in stürmischen Zeiten

Unsere Welt wird immer öfter von schweren Krisen erschüttert – von fortschreitender geopolitischer Fragmentierung über massive Cyberangriffe, unterbrochene Lieferketten bis hin zu plötzlich eskalierenden Handelskriegen. Die gesellschaftliche Polarisierung und digitale Desinformation nehmen zu, während das Vertrauen in die Fähigkeit staatlicher Institutionen, die innere Sicherheit und rechtsstaatliche Prinzipien zu garantieren, spürbar erodiert.


Überall auf der Welt nehmen politische Spannungen und Konflikte zu, was unseren Wohlstand direkt bedroht. Diese Probleme werden nicht kleiner; stattdessen scheint es so, als würden wir uns dauerhaft an einen Zustand voller Unsicherheit gewöhnen müssen. Für mich sind die Baha'i-Schriften eine Quelle, die mir die Zuversicht gibt, dass eine bessere Welt möglich ist. Dies trotz der Sorgen, die man sich natürlich macht, weil man selbst zum Geschehen gehört.


In den Baha'i-Schriften wird oft und ausführlich die Art geistig-spiritueller Zuflucht beschrieben, die den Menschen auf der ganzen Welt in dieser Zeit des stürmischen globalen Wandels helfen kann. Für mich stellen sie sowohl einen Ort des persönlichen Schutzes als auch einen Prozess bereit, der weltweite Stabilität herbeiführen kann – was irgendwann die Stürme beruhigen und den Frieden und die Gerechtigkeit bringen wird, nach denen sich die Menschheit sehnt.


Die vielschichtige und facettenreiche Zuflucht, von der diese neue Offenbarung spricht, manifestiert sich auf einer tiefen persönlichen spirituellen Ebene – aber sie findet auch ihren Widerhall in der gesamten menschlichen Gesellschaft und kann schließlich weltweit allen Menschen Schutz bieten. In den Baha'i-Schriften heißt es:


Jedes einzelne Gebot, das Wir offenbarten, ist eine feste Burg für die Welt des Daseins und ihren Schutz.

Für mich ist das persönliche Wohlbefinden und die Sicherheit, die ich dabei empfinde, wie ein Spaziergang durch einen mit Weinreben und Blüten bewachsenen Laubengang. Während ich gehe, spüre ich die Schönheit und Geborgenheit, die mir die Laube bietet. Ich bin mir sicher, dass ich in die richtige Richtung gehe. Ich verstehe, dass dieser Gang zu einem wunderschönen Garten führt. In einem Gebet wird Gott angerufen:


Birg unter Deinem Schutz, Du Geist der Reinheit, Du allgütiger Versorger, Deinen entzückten, entflammten Diener. Hilf ihm, in der Welt des Seins standhaft und fest an Deiner Liebe zu hangen, und lass diesen Vogel mit gebrochenem Flügel in Deinem göttlichen Nest auf dem himmlischen Baume Schutz und Zuflucht finden.
Abdu'l-Baha, Baha'i-Gebete

Die tägliche spirituelle Nahrung, die mir diese Zuwendung zu Gott bietet, gibt mir die Kraft, zuversichtlich und festen Schrittes den Weg durch die Stürme des Lebens zu gehen. Sie vermittelt mir die Gewissheit, dass Kräfte, die größer als ich selbst sind, die Welt zur Reife führen. Eine sowohl mitfühlende als auch spirituelle Sicht auf diese in Aufruhr geratene Welt erinnert mich daran, dass das Ziel der Offenbarung Gottes für die heutige Zeit nichts Geringeres ist als die Vereinigung der Welt. Dies kann weder leicht noch schnell erfolgen. Die Menschheit hält an alten Gewohnheiten und Methoden fest und sträubt sich gegen Veränderungen. Sie nimmt damit die hierbei entstehenden Krisen und leidvollen Folgen in Kauf. In folgenden Worten werden diese als Vorzeichen des Eintritts in ein „Zeitalter der Reife“ gedeutet:


Die Offenbarung Baha'u'llahs, … muss, … als Signal für den Eintritt des gesamten Menschengeschlechts in den Zustand der Mündigkeit betrachtet werden. ... Die langen Zeiten der Kindheit und der Minderjährigkeit, welche die Menschheit zu durchschreiten hatte, sind in den Hintergrund getreten. Die Menschheit erlebt jetzt die Erregungen, die unabänderlich mit der stürmischsten Stufe ihrer Entwicklung, dem Jünglingsalter, verbunden sind. In dieser Zeit erreichen jugendliche Unbändigkeit und Heftigkeit den Höhepunkt; sie müssen Schritt für Schritt von der Ruhe, der Weisheit und der Vollendung abgelöst werden ... Dann wird das Menschengeschlecht jene Gestalt der Reife erlangen, die es befähigen wird, alle die Kräfte und Fähigkeiten zu erwerben, von denen seine Entwicklung letztlich abhängt.

In dieser globalen Sichtweise bedarf es einer Neuordnung der Institutionen, die das Leben auf der Erde regeln. Die Baha'i-Lehren setzen an die die alten Vorstellungen von Nationen und Staaten, die miteinander konkurrieren oder Kriege führen, die neue Realität der Einheit auf diesem Planeten. Sie bietet einen wirksamen, weltweiten Rahmen für eine durch Teilhabe aller gekennzeichnete Regierungsführung. Ihre Achse ist das Prinzip der Gerechtigkeit – Gerechtigkeit für alle, überall und ständig. In den Baha'i-Schriften heißt es:


Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit. Wende dich nicht ab von ihr, wenn du nach Mir verlangst, und vergiss sie nicht, damit Ich dir vertrauen kann. Mit ihrer Hilfe sollst du mit eigenen Augen sehen, nicht mit denen anderer, und durch eigene Erkenntnis Wissen erlangen, nicht durch die deines Nächsten. Bedenke im Herzen, wie du sein solltest. Wahrlich, Gerechtigkeit ist Meine Gabe und das Zeichen Meiner Gnade. So halte sie dir vor Augen.
Baha'u'llah, Verborgene Worte

Beachtenswert dabei ist, dass Gerechtigkeit Veränderung zur Folge hat. Indem ich mich an der Gerechtigkeit orientiere, sehe ich „mit eigenen Augen“, „nicht mit denen anderer“. Durch diesen Prozess können alte Gewohnheiten, die das Leid der Menschheit aufrechterhalten, durch neue Konzepte und Methoden ersetzt werden, die die Eintracht fördern.


In unserer Welt scheint Gerechtigkeit selten zu sein. An zu vielen Orten und an zu vielen Tagen hat Zweckdienlichkeit Prinzipien ersetzt, während Gerechtigkeit und Fairness beiseite geschoben und durch Streben nach Geld und Macht in den Schatten gestellt wurden. Diese Dynamik hat zu den bedrohlichen Verhältnissen auf unserem Planeten und zu den zahlreichen Zerwürfnissen beigetragen, die wir derzeit erleben.


Sicherheit, schützende Zuflucht und Geborgenheit werden selten mit Veränderungen in Verbindung gebracht – Veränderungen, die auch Umbrüche, Unordnung und sogar Chaos mit sich bringen müssen. Ich sehe in den Baha'i-Gedanken eine Art verlässlichen Laubengang auf dem Weg zum Garten eines umfassenden Friedens. Womöglich erreiche ich diesen Garten in meinem irdischen Leben nicht mehr – aber unter dem schützenden Schirm dieser Gedanken kann ich Zuflucht finden. Vielleicht kann ich – wenn auch nur ein wenig – zur Einheit der Menschheit beitragen, eine Einheit die als einzige eine verlässliche Sicherheit bieten kann.



Dieser Beitrag entstand auf Grundlage eines Artikels auf bahaitechaings.org von

Patricia O'Connor. Sie ist Kriminalpsychologin mit besonderem Interesse an Heilung und Spiritualität. Zu ihren Veröffentlichungen gehört „It's Not Your Fault: How Healing Relationships Change Your Brain and Can Help You Overcome a Painful Past“ (Baha'i Publishing 2004) und unter dem Namen Patricia Romano McGraw „Seeking the Wisdom of the Heart: Reflections on Seven Stages of Spiritual Development“ (Baha'i Publishing 2007). Sie ist spezialisiert auf die Auswirkungen von Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen, psychische und körperliche Gewalt gegen Kinder und Heilung von psychischen Traumata und sexualisierter Gewalt.


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